NEUIGKEITEN

04 AUG

Vom Ankommen und Abschiednehmen

Liebe Freundinnen und Freunde des Österreichischen Kulturforums Zagreb,

Vom Ankommen und Abschiednehmen

September 2015, Flughafen Zagreb, eben angekommen.
Wo bin ich gelandet? War es die richtige Entscheidung? Ich höre in mich hinein, aber es kommt keine Antwort, noch nicht. Zuviel ist zu erledigen, zu organisieren in den ersten Tagen und Wochen, jeder Schritt irgendwie mühsam.

65 Jahre ÖKF, Endlich ein ruhiger Moment, ich beginne in der Vergangenheit des Kulturforums Zagreb zu blättern. Tauche ein in eine Geschichte, die vor mehr als 60ig Jahren, im Juni 1955, kurz nach Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages, bescheiden als „Österreichische Lesehalle“ in der Gundulićeva 3 in Zagreb, begann und hoffentlich noch lange an diesem zur Institution gewordenen Ort währen wird.
Schon bald erfüllte diese Lesehalle die Funktion eines Kulturinstitutes, wenngleich erst 1976 zu einem solchen ernannt. Prallvoll ist sie, diese Gundulićeva 3, randvoll mit Menschen, Gefühlen, Anekdoten, Geschichte und Geschichten. Bald rührt mich ein sehr höflich getippter Brief über ein
Lesungsprogramm von Heimito von Doderer aus dem Jahre 1964, bald ein paar Zeilen des unvergessenen Ernst Jandl. Wer nicht aller hier Station eingelegt hat! Jeder Leiter hat diese seit 2001 in Kulturforum umbenannte Stätte auf seine Weise geprägt, ihr immer neues Leben eingehaucht, ich sehe unendliche Begegnungen von österreichischen und kroatischen KünstlerInnen und stetes Zusammenwachsen mit dem Gastland. 1992 wurde schließlich die erste Österreichische Botschaft in Kroatien eröffnet und es begann eine neue gemeinsame Etappe intensiver Zusammenarbeit. Gundulićeva 3, kurze Stiege, erster Stock. Wie vielen Menschen wurde diese Adresse ständige Begleiterin, Ausgangspunkt und Knotenpunkt, Zuflucht, ein Ort sich ständig ändernder Begegnungen, Fixpunkt im Wandel der Zeiten.
Mir fallen spontan ein paar bruchstückartige Zeilen aus der Strudlhofstiege von Heimito von Doderer ein: „...herbstlich atmet aus den alten Stiegen was vor Zeiten über sie gegangen ... leichte Schuh und schwere Tritte, ... überdauert Jahre zwischen Kriegen ...“.

Heute realisiert das Österreichische Kulturforum gemeinsam mit kroatischen und anderen Partnern pro Jahr an die 200 Veranstaltungen in Kroatien und bietet vorrangig jungen österreichischen KünstlerInnen und Kulturschaffenden aller Kunstsparten eine bestens vernetzte Auftrittsplattform. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung zeitgenössischen österreichischen Kunstschaffens, wobei das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten unterstützend zahlreiche Förderprogramme anbietet.

Dezember 2015, Wohnung gefunden, ein Spaziergang vorbei am Kroatischen Nationaltheater, entworfen vom Wiener Architektenbüro Fellner & Helmer, die kroatischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro einfach wunderbar, eben Cremeschnitte und das beste Eis seit langem gegessen! Bin ich etwa angekommen? Nicht zu Hause, aber schön langsam irgendwie daheim. Ja! Es konnte losgehen!

August 2020, ein Abschied nach 5 jähriger Tätigkeit am Österreichischen Kulturforum Zagreb.
Es waren 5 schöne, arbeitsintensive und spannende Jahre, gesäumt von unzähligen Begegnungen mit neuen Freundinnen und Freunden, großen Auftritten, kleinen Pannen und Nöten, wunderbaren Zufällen und überraschenden Entdeckungen. Kroatien und besonders Zagreb haben ihren Platz in meinem Herzen!
Doch jetzt ist es an der Zeit noch einmal weiterzuziehen, meine letzte berufliche Station wird Mailand sein.

Dank, Ich danke allen Partnerinnen und Partner in Österreich und Kroatien, den Österreichbibliotheken, den Österreichlektorinnen und Lektoren, allen unsere wohlwollenden Sponsoren und ganz besonders ein dickes HVALA PUNO an meine Mitarbeiterinnen am ÖKF in Zagreb!

Ema Šolčić - Ein großes Danke, das so groß ist, dass man es nicht umfassen kann , gilt der treuesten und längst dienenden Mitarbeiterin des Österreichischen Kulturforums Zagreb. Ema Šolčić, für die mit dem Ruhestand nun auch ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Ihre Expertise, ihre Arbeitsfreude , ihr Engagement für die Vermittlung Österreichischer Kunst und Kultur zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen, Ema war und ist einzigartig - beruflich und als Mensch.

Somit unterzieht sich auch das Team des Österreichischen Kulturforums wie alles im Leben einem Wandel. Das derzeitige Kernteam bestehend aus Ivana Šeperić Katić und Nada Ivanušić wird bis zum Eintreffen meiner Nachfolgerin, meines Nachfolgers die Stellung halten.

Ihnen meine lieben Freundinnen und Freunde des Kulturforums danke ich für ihr Interesse an unserem Programm, ihre Neugier und ihre Treue!

Von Herzen
Ihre Susanne Ranetzky
Direktorin Österreichisches Kulturforum Zagreb