Im Jahr 1917 erschien zu Lebzeiten des Künstlers das erste und einzige Portfolio mit zwölf Zeichnungen, die Egon Schiele (1890–1918) selbst ausgewählt hatte. Es wurde in Form von Lichtdrucktafeln in einer Auflage von 400 Exemplaren veröffentlicht und von der Buchhandlung Richard Lányi in Wien herausgegeben, deren Besitzer Schiele persönlich kannte. Im Jahr 1920, zwei Jahre nach Schieles frühem Tod im Oktober 1918, wurde ein weiteres Portfolio mit Reproduktionen seiner Handzeichnungen vom Verleger Eduard Strache ediert, das eine Auflage von 510 Exemplaren umfasste. Dieses spätere Portfolio bildet den Hauptgegenstand der Ausstellung in der MUO Galerija in Zagreb.
In ihrem Vortrag vergleicht die Autorin und Kuratorin Kerstin Jesse die beiden Portfolios, die kurz vor bzw. nach Schieles Tod veröffentlicht wurden, und erörtert einzelne Motive sowie in weiterer Folge die „späteren“ Werke (ab 1914) dieses außergewöhnlichen Künstlers, die einen deutlichen stilistischen Wandel gegenüber seinem früheren Schaffen erkennen lassen.
Kerstin Jesse studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien, der Universität für angewandte Kunst Wien sowie an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Wien, am Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, und im Belvedere Wien. Seit 2023 ist sie Senior Curator am Leopold Museum in Wien. Neben der Ausstellungstätigkeit organisiert und leitet sie das zweijährlich stattfindende Egon-Schiele-Symposium am Leopold Museum.
Das Museum für Kunst und Kunsthandwerk (MUO) präsentierte der kroatischen Öffentlichkeit mit der Ausstellung „Egon Schiele UNSEEN“ erstmals die grafische Mappe „Egon Schiele Handzeichnungen“, einen seltenen Zyklus von Kollotypien, der jahrzehntelang im Bestand des Museums für Kunst und Kunsthandwerk aufbewahrt wurde.
Die Kurator:innen der Ausstellung sind Dr. Antonia Došen und Mate Marić.
Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.
Bitte um Anmeldung unter: dogadjanja@muo.hr

